Tempo im Nebel

Die Möglichkeiten der Digitalisierung sind verlockend. Auf Vorträgen kommt spätestens an dieser Stelle ein Beispiel aus der Medizin, gekoppelt an ein denkbar persönliches Szenario. Einfach und anschaulich. Möglichst viele – am besten alle – relevante Daten für eine passgenaue, schnelle Behandlung zu haben dank Big Data, wer würde da abwinken? Natürlich beschreiben diese Erzählungen noch immer Optionen, es könnte also so sein. Wunderbar. Dabei ist die momentane Diskussion von einer Postion „machender Akteure“ gekennzeichnet, allesamt eher keine Altruisten, sondern Investoren, die für ihr eingesetztes Kapital in absehbarer Zukunft einen rückfließenden Mehrwert erwarten. Hinter der Silicon Valley Folklore von der Weltverbesserung geht es am Ende des Tages um nichts anderes. Auch gut, wieso nicht.

Andere Akteure wiederum sind getrieben von der nackten Angst, den wettbewerblichen Anschluss zu verlieren. Denn alte, bisher prächtig funktionierende Geschäftsfelder laufen Gefahr, in naher Zukunft zur Disposition zu stehen oder einfach vom Druck der technischen Veränderungen überrollt zu werden. In der Automobilindustrie ist das so. Auch das lässt sich nachvollziehen. Wo ist dann überhaupt das Problem? Unter die Räder geraten bei dem Tempo und der Gewaltigkeit der Veränderungen diejenigen, die erst begonnen haben, sich ein Bild vom Sturm der Veränderungen zu machen. Und nicht selten erhebliche Schwierigkeiten beim Zusammentragen und Nachvollziehen der vielen Facetten und Dynamiken von Vernetzung und Automatisierung in ihrem privaten und beruflichen Alltag haben. Die Treiber (und gegenwärtigen Profiteure) der Digitalisierung scheint das bisher erstaunlich wenig zu kümmern. Von Deep Data zur Deep Transformation. Eigenartig bei der gesellschaftlichen Kollisionsgefahr.