Schwache Stärke

Beschäftigt man sich mit den Wirkungskräften von Transformationen, dann erreicht man bei der Frage nach den Ursachen und Motiven – wieso entwickeln sich manche Prozesse, wieso andere nicht – früher oder später Bereiche, in denen das Verstehen von Handlungsleitbildern nicht immer ganz einfach ist. Nicht einfach, weil dort immer wieder die sozialen und kulturellen Dynamiken traditioneller Rollenverständnisse mit ihren simplifizierenden Zuordnungen, was als männlich und als weiblich zu gelten hat, auftauchen. Besonders in Zeiten des Wandels und der Unsicherheit scheinen diese Rückgriffe nicht unerheblichen Zuspruch zu versprechen. Ein plurales, freies, diversifiziertes Miteinander wird als Bedrohung, Machen im Gegensatz zur Suche nach dem diskursiven Ausgleich als Schwäche empfunden. Klar, dass hier die Rollenzuordnungen für Männer und Frauen keiner großen Debatte bedürfen. Ganz sicher begeht eine Leichtsinnigkeit, wer genau diese Dynamiken für das Bewegen und Neuausrichten von gesellschaftlichen Leitbildern unterschätzt. Eine auf die Politik fokussierte Facette dieser Problematik hat die Münchner Soziologin Paula-Irene Villa kürzlich in einem Essay über vermeintlich moderne Maskulinität ins Licht gerückt. Es dürfte sich lohnen, diese Gedanken weiter zu tragen. Warum tun wir uns so schwer mit neuen Formen nachhaltiger Mobilität, einer neuen Kultur des Konsums, einem neuen Verständnis von Technologie..?