Drinnen in der Stadt

Wohnraum ist in vielen Städten zu einem knappen Gut geworden. Die Kommunen versuchen – mit leidlichem Erfolg – darauf zu reagieren und im Rahmen ihrer Möglichkeiten das Leben in der Stadt auch für einkommensschwache Gruppen nicht zu einer unüberwindbaren Hürde werden zu lassen. Eine Reihe ökonomischer Dynamiken jedoch (Kapitalmarkt, Renditen, Globalisierung, Digitalisierung) macht die kommunalen Ambitionen zu einem schwierigen Unterfangen, auch ein fast alle sozialen Milieus und Alterskohorten umfassender Zug in die Städte hinein erhöht den Druck. Demografischer Wandel, Konsum- und Kulturerwartungen, veränderte Arbeitsmöglichkeiten und Bildungsangebote wären hier zu nennen.

Städte standen im Grunde immer für Veränderung, Verdichtung und Verständigung. Möglicherweise mangelt es zur Lösung der vielschichtigen Probleme aber heute ein wenig an letzterem. Kritische Beobachter könnten einwenden, dass gerade das konsequente Durchsetzen partikularer Interessen in den letzten Jahrzehnten wieder zu einem gesellschaftlich positiv sanktionierten Handlungsmoment geworden ist. Nicht nur im Beruf, auch im Privatleben. Sich nehmen, was ökonomisch und sozial möglich ist. Ganze Stadtteile, deren jüngere Metamorphosen unter dem mittlerweile etwas strapazierten Begriff „Gentrifizierung“ ausführlich in den Medien beschrieben wurden, sind ein facettenreiches Panoptikum, wenn drohender Verfall zunächst in urbane Heterogenität und dann am Ende in lähmende Homogenität überführt wird.

Die Ursachen sind vielfältig: Die Größe des beanspruchten Wohnraums nimmt seit langem zu, bauliche Lösungen dienen nicht selten eher repräsentativen Interessen, der öffentliche Außenraum wird entweder nur nachlässig beachtet oder, lange Zeit die Regel, dem wachsenden motorisierten Verkehr geopfert.

Ideen für neue Formen städtischen Lebens gäbe es sicher genug, die Rückeroberung des öffentlichen Raums sowie die Übersetzung neuer Wohn- und Arbeitskontexte in planerische Konzepte sind Thema unzähliger Seminare. Ohne eine deutlich intensivere Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen werden die gesellschaftlichen Reibungen – Region versus metropolitane Zentren, Stadtteile versus Stadtteile – wohl stark zunehmen. Nicht weil es die Städte so wollen oder nichts versuchen, sondern weil es in der Gesellschaft an attraktiven Leitbildern einer zukunftsfähigen, vor allem vielfältigen Stadt mangelt, an denen entlang aktive Verständigung und Vielfalt erprobt und gelebt werden können. Denn die, machen wir uns nicht vor, sind bislang schwer zu finden. Am allerwenigsten in den Vorstellungen der Investoren und den Katalogen der Immobilienentwickler.